Wiederkehrende Entzündungen/Erysipele

Immer wiederkehrende bakterielle Entzündungen der Haut und des Unterhautgewebes (Erysipel), die sich über die Lymphwege ausbreiten (Lymphangitis), kommen vor allem bei Patienten mit Lymphödem und ausgedehnten epifaszialen lymphatischen Malformationen vor, gerade auch bei Vorliegen eines Lymphangioma circumscriptum oder von Lymphvesikeln an der Haut.  Hier ist die bakterielle Barrierefunktion der Haut gestört.

Sie äußern sich als lokale flächige Rötung und Überwärmung der Haut, lokale Schmerzen im Bereich der Entzündung und gegebenenfalls Fieber. Eine sehr schnelle Ausbreitung zu einer systemischen, gefährlichen Entzündung mit allgemeinem Entzündungsgefühl (Wärmegefühl, Muskel- und Gliederschmerzen, schnelle Herzfrequenz) ist gerade bei Patienten mit lymphatischen Malformationen möglich.

Besonders gefährdet sind Hautstellen, aus denen Lymphflüssigkeit austritt (Lymphorrhoe), da hier die Haut ihre natürliche Barrierefunktion gegen das Eindringen von Bakterien weitgehend verloren hat. Lymphorrhoe tritt vor allem an den unteren Extremitäten auf, da hier der hydrostatische Druck am höchsten ist und damit die Lymphe leichter durch die Haut ausgepresst wird.

Auch Verletzungen der Haut im Bereich einer betroffenen lymphödematösen Extremität, ob nach einem Trauma, Aufkratzen, einer Operation oder Intervention bzw. Laserung, sind besonders gefährdet für Infektionen und Erysipele. Hier muss manchmal sogar eine medikamentöse Prophylaxe angesetzt werden. Bei lymphatischer Malformation im Mundraum (Wange, Zunge, Gaumen) ist besonders auf strenge Zahn- und Mundhygiene zu achten.

Eine wichtige Infektquelle stellen auch chronische, nicht abheilende Wunden bei Patienten mit arteriovenösen Malformationen dar. Diese sind besonders sorgfältig zu versorgen, da sie schwer abheilen, sich oft entzünden und aufgrund der zugrundeliegenden arteriovenösen Kurzschlussverbindungen sogar deutlich bluten können (arterieller Druck).

Diese infektgefährdeten Hautstellen sind immer wieder an den gleichen oder ähnlichen Regionen lokalisiert, in denen auch die Malformation liegt. Damit kann sich ein Patient und Arzt gut orientieren, welche Stellen besonders geschützt und desinfiziert werden müssen


Wichtig ist zuallererst die Vermeidung von Hautverletzungen an diesen gefährdeten Stellen. Besonderen Schutz bietet hier spezielle Kleidung oder Kompressionsware. Entsprechende individuell maßangefertigte, sehr gut passende Kompressionsware ist unbedingt notwendig. Schlecht passende Kompressionsware, z. B. an Nähten, Kniekehle oder Rist,  führt zu lokaler schwerer Mehrbelastung der Haut. Sie muss gegebenenfalls dann unbedingt neu angepasst werden, da sie sonst mehr schadet als nützt.

Die Haut darf nicht zu trocken oder chronisch zu feucht sein, auf gute Hautpflege achten. An besonders erysipelgefährdeten Stellen kann die einmal tägliche Waschung mit einer desinfizierenden Seife indiziert sein. Bei rezidivierenden Erysipelen am Fuss auch als desinfizierende, prophylaktische Fussbäder.

Einen Sonderfall stellen lymphatische Malformationen des Halses und Gesichts dar, die häufig auch Verbindungen zu den Kieferknochen und zur Zunge haben. Hier ist neben guter Mundhygiene insbesondere auch auf gute Zahnhygiene zu achten. Karies und chronische Parodontitis können zu Kiefer- und Zahnhalsabszessen führen, die in Verbindung mit einer lymphatischen Malformation gerade auch intraossär massive Abszesse bilden können.

Zehenzwischenräume sowie Zehennägel sind besonders gefährdet für chronische Infekte bei Vorliegen einer Lymphorrhoe und gleichzeitiger Weichteilgewebshyperplasie mit einwachsen der Zehennägel. Auf gute Reinhaltung der Haut und insbesondere dieser schwer zugänglichen Hautstellen am Fuss ist zu achten, gerade auch beim Fussnagelschneiden.

Beim Auftreten von Hautverletzungen, die sich nie ganz vermeiden lassen werden, unbedingt auf Antisepsis und Reinheit achten. Zunächst Antisepsis mit einem desinfizierenden flüssigen Präparat bei oberflächlichen Wunden. Dann Abdeckung der Wunde mit einem Pflaster, gegebenenfalls zusätzlich einem sterilem Verband. Frühzeitig den Arzt aufsuchen. Genauere Hinweise zur Behandlung von Wunden siehe eigenes Kapitel.

Bei mehr als 3 Erysipelen in einem Jahr, mehreren Erysipelen hintereinander oder wiederkehrendem, schwerem Erysipel oder Lymphangitis kann eine Erysipelprophylaxe mittels Antibiotika notwendig sein.