Nagelbettentzündungen

Indikation und Kontraindikation

Bei Patienten mit Ödemen (meist mit lymphatischer oder venöser Malformation) oder einer lokalen Hyperplasie des Weichteilgewebes (z. B. Klippel-Trénaunay-Syndrom, Parkes-Weber-Syndrom, CLOVES, Proteus-Syndrom etc.) mit Vergrößerung der Weichteildeckung an den Zehen kommt es sehr leicht zur Überwachsung der Ränder eines Zehennagels.

Das vermehrte Weichteilgewebe drückt dann wulstartig gegen den seitlichen Nagelrand und führt zu einer lokalen chronischen Druckstelle. Erschwerend hinzu kommt der erhöhte Gewebeflüssigkeitsdruck durch chronisch venöse Hypertonie oder Lymphödem. Der Nagelrand kann dann nicht mehr leicht sauber gehalten werden, es bildet sich im Verlauf sehr häufig ein lokaler Infekt.

Diese chronischen Nagelbettentzündungen sind bei vielen Patienten mit Gefäßanomalien am Bein oder Fuss sehr häufig und besonders hartnäckig, sie beginnen häufig schon im Kindesalter.

Barfuss gehen sollte in jedem Fall bei akuten, rezidivierenden Nagelbettentzündungen vermieden werden.

Vorbeugung ist zunächst die wichtigste Maßnahme mit Vermeidung und sehr früher Behandlung von selbst kleinsten Hautverletzungen am Nagelrand. Sämtliche Druckstellen im Bereich der Zehen, z. B. durch nicht gut angepasstes Schuhwerk, sind zu vermeiden. Hier ist eine unbedingte lokale Druckentlastung notwendig, sonst kann die Entzündung durch den zusätzlichen Druck von außen nicht abheilen.

Um den begleitenden hohen Gewebedruck durch Ödeme zu entlasten sind längere Steh- und Sitzzeiten oder starke körperliche Langzeitbelastungen zu vermeiden. Wenn möglich den Fuss bei akuter Entzündung in Ruhe halten und hochlagern.

Unbedingte Reinhaltung dieser empfindlichen Stellen ist notwendig mit sehr sorgfältiger Nagelreinigung. Nagelpflege und Schnitt der oft zusätzlich dysplastischen, verwachsenen Fussnägel können gerade bei starkem Großwuchs sehr schwierig sein. Hier ist gegebenenfalls auch professionelle Nagelpflege (Podologie) sinnvoll und notwendig. Dort ist auch das Erlernen von adäquaten Techniken der Nagelpflege möglich, die man selbst anwenden kann.

Gegebenenfalls sind bei akut offenem, entzündetem Nagelrand auch regelmäßige, tägliche lokale desinfizierende Maßnahmen (Baden des Fusses in Desinfektionslösung) zur Vermeidung einer Infektion dieser kleinen Wunden notwendig. Anwendung von Polihexanid-Gel 0,1% lokal unter das Pflaster ist bei Infekten hilfreich. Danach Abdeckung der betroffenen Stelle mittels Pflaster, die täglich gewechselt werden müssen.

Bei tiefer sitzenden, chronischen Infekten kann vor einer endgültigen Sanierung eine lokale oder sogar systemische Antibiotikatherapie oder antimykotische Therapie nach Angaben des Arztes notwendig werden. Hier ist eine knöcherne Beteiligung der Phalangen (v. a. der Endphalanx) nachzuweisen oder auszuschließen, hierzu kann ein Röntgenbild notwendig werden.

Grundprinzipien einer adäquaten Wundversorgung siehe dort.

Bei vorhandener aktiver bakterieller Nagelbettentzündung ist ein Abstrich zum mikrobiologischen Keimnachweis und Antibiotika-Resistenzbestimmung notwendig. Danach tägliche Fussbäder mit antiseptischer Lösung. Gegebenenfalls auch täglich antifungaler Fusspuder oder Fusssalbe.

Bei größeren chronischen Nagelbettentzündungen kann zunächst eine operative lokale Exzision der Wunde und des seitlichen Nagels und Nagelbettes mit Weichteilgewebsreduktion versucht werden. Die Langzeitergebnisse, z. B. der Emmert-Plastik (Nagelkeilexzision) mit Teilentfernung der Nagelmatrix und Verschmälerung des Nagels, sind allerdings bei Patienten mit Gefäßanomalien und lokalem Großwuchs an den Zehen leider relativ schlecht. Es kommt aufgrund der Pathophysiologie mit lokalem Weichteilgewebeüberschuss mit Druck gegen den harten Nagelrand und dem hohem lokalen Flüssigkeitsgewebedruck (Lymphödem oder venöse Hypertonie / Phlebödem) häufig zu Rezidiven.