Sonographie

Die Sonographie ist ein nicht invasives und strahlenexpositionsfreies, unschädliches bildgebendes Verfahren unter Verwendung von Ultraschallwellen.

Die Schallwellen werden im Ultraschallkopf mit Hilfe des piezoelektrischen Effektes erzeugt und die von unterschiedlichem Gewebe unterschiedlich reflektierten Wellen wieder detektiert. Für die Darstellung oberflächlicher Läsionen eigenen sich lineare Schallkopfsonden mit hoher Frequenz. Das Abdomen und tiefer gelegene Strukturen werden üblicherweise mit konvexen Schallköpfen mit niedrigerer Frequenz und damit höherer Eindringtiefe untersucht. Die Reflexionen der Ultraschallwellen lassen sich im sog. B-Mode in Echtzeit zu einem graustufigen, zweidimensionalen Bild umrechnen.

Strukturen mit geringer Echogenität werden dunkel (z.B. Wasser) und Strukturen mit hoher Echogenität (z.B. Schilddrüse) hell abgebildet. Neben den im B-Mode erkennbaren anatomischen Strukturen lässt sich zudem auf Grundlage des Doppler-Effekts die Blutflussgeschwindigkeit innerhalb des Gefäßsystems genau messen (PW-Doppler) und zweidimensional darstellen (Farbdoppler, farbkodierte Duplexsonographie).

Eine weitere Entwicklung ist die kontrastmittelverstärkte Sonographie (CEUS), bei der intravenös applizierte Mikrobläschen eine Beurteilung der Perfusion von Gefäßen und Geweben ermöglicht.

Die Ultraschall-Elastographie erlaubt die farbliche Darstellung der Härte eines Gewebes.

Sonographische Techniken und deren Anwendung

ModusBeschreibungAnwendung
B-Mode (brightness mode), 2D-EchtzeitZweidimensionale, graustufige SchnittbilderCharakterisierung und Ausdehnung der Läsion
Steuerung der perkutanen Therapie
PW-DopplerEindimensionale Messung der BlutstromgeschwindigkeitUnterscheidung zwischen slow-flow und fast-flow Gefäßmalformationen
Farbkodierte Duplexsonographie (FKDS)Zweidimensionale, farbig codierte Darstellung der BlutflussgeschwindigkeitUnterscheidung zwischen slow-flow und fast-flow Gefäßmalformationen
Kontrastmittelsonographie (CEUS)Kontrastmitteldarstellung mittels MikrobläschenUnterscheidung zwischen slow-flow und fast-flow Gefäßmalformationen sowie der Perfusion
ElastographieFarbliche Härtedarstellung von GewebeUnterscheidung von Therapieeffekten, Differentialdiagnose

 

Bedeutung der Sonographie in der Diagnostik von Gefäßanomalien

Die Sonographie eignet sich hervorragend zur ersten orientierenden Untersuchung bei Verdacht auf eine Gefäßanomalie. Vor allem oberflächlich gelegene Läsionen lassen sich mittels zweidimensionaler B-Mode Sonographie sehr gut erfassen. Die klinisch wichtige Unterscheidung zwischen slow-flow und fast-flow Gefäßmalformationen ist mittels farbkodierter Duplexsonographie (FKDS) und kontrastmittelgestützter Sonographie (CEUS) in vielen Fällen bereits möglich. Die B-Mode Sonographie dient zudem als Bildsteuerung während der perkutanen invasiven Therapien.

Typische Befunde

  • Infantiles Hämangiom: Hauptmerkmal während der proliferativen Phase ist eine starke Hypervaskularisation in der farbkodierten Duplexsonographie. Das Parenchym ist relativ echoarm. Anders als bei einer echten arteriovenösen Malformation ist meistens eine Raumforderung zu erkennen. Diese Hypervaskularisation nimmt während der Involutionsphase deutlich ab. Die Echogenität nimmt dagegen durch einen fettigen Umbau zu.
  • Venöse Malformation: Im B-Bild kommen venöse Malformationen als tubuläre und schwammartig anmutende echofreie Räume zur Darstellung. Typischerweise sind diese Räume von oft vermehrtem, echogenem Fettgewebe umgeben. Solange sich keine Thromben oder Phlebolithen innerhalb der venösen Malformation gebildet haben ist die venöse Malformation mit dem Ultraschallkopf meistens gut komprimierbar. In der farbkodierten Duplexsonographie (FKDS) lässt sich, anders als bei fast-flow Malformationen, kein erhöhter oder gar kein Blutfluss innerhalb der venösen Malformation nachweisen. Die Durchgängigkeit des tiefen Leitvenensystems kann mittels Kompressionssonographie vor und nach einer invasiven Therapie überprüft werden.
  • Lymphatische Malformation: Im B-Bild erscheinen makrozystische lymphatische Malformationen als echofreie Zysten mit dünner Wand und ggf. Septen. Gelegentlich sind Blutgefäße in den Septen und Wänden identifizierbar. Im Gegensatz zu venösen Malformationen sind makrozystische lymphatische Malformationen nicht ganz so gut komprimierbar und eher prallelastisch. Mikrozystische lymphatische Malformationen weisen zum Teil ein sehr heterogenes Schallmuster auf. Neben kleinen echofreien Mikrozysten sind auch echoarme und echoreiche Raumforderungen erkennbar. Die Zysten selbst nehmen in der kontrastmittelverstärkten Sonographie (CEUS) kein Kontrastmittel auf. In der FKDS findet sich kein Durchfluss.
  • Arteriovenöse Malformation: Hauptkennzeichen der peripheren arteriovenösen Malformation (AVM) ist die in der farbkodierten Duplexsonographie festzustellende Hyperperfusion. Eine Doppleruntersuchung der zuführenden Arterien zeigt in der betroffenen Extremität oft nicht das bekannte triphasische Widerstandsmuster sondern einen erhöhten diastolischen Vorwärtsfluss. Auch der venöse Abstrom zeigt auf der betroffenen Seite eine deutliche Flusserhöhung. Die sonst typische Atemvariabilität des venösen Blutflusses ist aufgehoben, es zeigt sich durch den hohen Durchfluss ein kontinuierlicher, hoher Strom. Zu- und abführende Gefäße haben einen im Seitenvergleich oft deutlich größeren Durchmesser. Eine ergänzende Untersuchung der Herzfunktion mittels Echokardiographie ist bei Patienten mit großen fast-flow Gefäßmalformationen zu empfehlen (siehe Sonderkapitel Kardiale Komplikationen).

Nachteile

Ein Nachteil der Sonographie ist das relativ kleine field of view und die oftmals geringe Eindringtiefe der Ultraschallwellen. So können in der Tiefe lokalisierte Läsionen mit dieser Modalität nicht adäquat abgebildet werden. Strukturen, die hinter Knochen oder Luft liegen, können gar nicht dargestellt werden. Des Weiteren spielt auch die Erfahrung des Untersuchers eine große Rolle.