Wunden und Ulzerationen

Autor/en

Als Wunden werden Hautdefekte definiert, die durch eine Trennung des Gewebezusammenhangs an äußeren oder inneren Körperoberflächen entstehen und mit oder ohne Gewebeverlust auftreten.

An der Haut werden oberflächliche, in der Epidermis gelegene Wunden als Erosionen bezeichnet, während Gewebedefekte in der oberen Dermis Exkoriationen genannt werden. Erst wenn zumindest die tieferen Schichten der Dermis oder darunterliegende Strukturen betroffen sind, spricht man von Ulzerationen .

Wundheilung äußerer Wunden bedeutet den Verschluss des Hautdefekts durch erneute Verbindung der zuvor getrennten Gewebe. Sie kann orientierend in drei Phasen eingeteilt werden:

1. Exsudative Phase (Entzündungsphase): ca. 1. - 4.Tag
2. Proliferative Phase (Granulationsphase): ca. 2. -16. Tag
3. Reparative Phase (Epithelialisierungsphase): ca. 5. - 25.Tag
Hierbei entspricht die primäre Wundheilung einem nahezu "direkten", chirurgischen Verschluss von Wundöffnungen, bei dem die o. g. Wundheilungsphasen in geringer Ausprägung und äußerlich wenig sichtbar verlaufen.

Im Gegensatz hierzu kommt es bei der sekundären Wundheilung nach einer anfänglichen Entzündungsreaktion zunächst zu einer gut sichtbaren Überbrückung offener Hautwunden durch Granulationsgewebe . Erst in einem zweiten Schritt ist dann die "Reparation" der Wunde durch die erneute Ausbildung von Oberhaut (Reepithelialisierung) und ggf. Narbenbildung zu erkennen.

Von einigen Autoren werden grundsätzlich drei Wundarten unterschieden: traumatische , iatrogene und chronische Wunden. Während akute, traumatische Wunden bei Patienten mit vaskulären Anomalien nicht gehäuft auftreten, dürften sowohl iatrogene als auch chronische Wunden in dieser Patientengruppe häufiger vorkommen als in der Normalbevölkerung.

Iatrogene Wunden werden vom Arzt im Rahmen diagnostischer oder therapeutischer Eingriffe verursacht. Als Beispiele hierfür können z. B. Hautdefekte nach Punktion und Sklerosierungstherapie, nach einer Operation oder nach Lasertherapie gelten. Sie sind zur Behandlung vaskulärer Anomalien bei manchen Patienten bedauerlicherweise unvermeidbar, heilen unter ärztlicher oder pflegerischer Verlaufskontrolle jedoch sehr häufig komplikationslos ab.

Chronische Wunden bestehen länger als 8 bis 12 Wochen und bedürfen eines besonders intensiven Wundmanagements. Zusätzlich ist es bei chronischen Wunden erforderlich, potenziell negative Einflussfaktoren zu identifizieren und zu beheben (Auswahl):

  • Grunderkrankungen (z. B. Diabetes mellitus )

  • Mangelernährung (z. B. Vitamin-, Eisenmangel)

  • Immundefizienz (z. B. bei HIV-Infektion)

  • Medikamente (z. B. Kortison , Immunsuppressiva )

  • Durchblutungsstörungen (z. B. bei Thrombosen , periphere arterielle Verschlusskrankheit )

Auch postoperative Wunden können bei Patienten mit vaskulären Anomalien in Abhängigkeit von ihrer Art, Größe und Lokalisation einen protrahierten Heilungsverlauf zeigen. So besteht z. B. bei lymphatischen Malformationen trotz postoperativer Drainageneinlage das Risiko einer erneuten Ansammlung von Lymphflüssigkeit ( Serom ), welche nicht selten die Einlage einer zweiten Drainage erforderlich macht.