Schwangerschaft

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Schmerzen
Netzartiges Rezidiv aus dem Stumpf (roter Pfeil) einer in der Kindheit verschlossenen Marginalvene beim Beginn der Pubertät

Großes Rezidiv nach Schwangerschaft in Form netzartiger, irregulär erweiterter Venen einer vor 7 Jahren vollständig verschlossenen Marginalvene bei einer Patientin mit venöser Malformation

Arteriovenöse Malformation (Pfeil) des linken Unterlappens der Lunge mit aneurysmatischer Erweiterung in einer digitalen Subtraktionsangiographie. Die Patientin hat eine HHT ( Morbus Osler ) und eine Schwangerschaft ist geplant. Daher war ein vorheriger interventioneller Verschluss der AVM notwendig, da sich während einer Schwangerschaft die pulmonale AVM deutlich vergrößern kann

Die allermeisten Gefäßanomalien treten spontan als sogenanntes genetisches Mosaik auf (nicht alle Körperzellen, insbesondere nicht die Keimzellen, betreffend). Dass heißt sie sind nicht erblich und daher ist auch das Risiko des Auftretens der gleichen Erkrankung bei eventuellen Kindern Betroffener nicht erhöht. Die wenigen familiären Formen, die vererbt werden, sind von einem spezialisierten Facharzt zu diagnostizieren. Wenn dies von den zukünftigen Eltern gewünscht wird ist hier eine entsprechende genetische Beratung sinnvoll.

Wahrscheinlich unter dem Einfluss von entsprechenden Hormonen kann es bei einigen betroffenen Frauen allerdings während der Schwangerschaft, insbesondere im letzten Drittel, zum Teil auch in den Wochen nach der Geburt, zu einer Verschlechterung der Symptomatik kommen, gerade bei venösen und lymphatischen Malformationen, jedoch auch bei arteriovenösen Malformationen. Ein besonders erhöhtes Risiko liegt bei schwangeren Patientinnen mit HHT / Morbus Osler vor. Auch Rezidive bei vorbehandelten Gefäßanomalien treten nach der Schwangerschaft gehäuft auf. Daher ist eine entsprechende Beratung und gegebenenfalls auch prophylaktische Therapie vor einer geplanten Schwangerschaft sicherlich sinnvoll.

Eine intensivierte Kompressionstherapie kann dann als wichtigste Basismaßnahme während der Schwangerschaft sinnvoll sein. Dies vermindert auch das Auftreten von vermehrten Schmerzen und Thrombophlebitiden sowie Thrombembolien während der Schwangerschaft.

Durch die hormonellen Umstellungen kann es bei allen Patientinnen mit Gefäßanomalien zu einem vorübergehenden Fortschreiten der Erkrankung kommen. Dies ist aber nur bei einem Teil der Patientinnen der Fall, insbesondere bei Patientinnen mit ausgedehnten Veränderungen. Aus diesem Grund ist eine individuelle Beratung notwendig.

Bei einigen Patientinnen mit bisher unbehandelten oder nicht suffizient behandelten venösen Malformationen, bei denen eine Verbindung ins tiefe Leitvenensystem vorliegt („Kommunikationsvene“) mit entsprechend erhöhter Gefahr einer Thrombose oder Thrombembolie, kann die Gefahr dieser Komplikation während der Schwangerschaft deutlich erhöht sein. Eine entsprechende Therapie vor der Schwangerschaft mit interventionellem oder operativem Verschluss dieser Kommunikationsvenen kann dieses Risiko erheblich vermindern oder ausschließen. Bei einzelnen Patientinnen kann zudem in Abwägung des individuellen Risiko-Nutzen Verhältnisses während der Schwangerschaft eine längerdauernde Antikoagulation mit Heparin sinnvoll und notwendig sein.

Bei Patientinnen mit arteriovenösen Malformationen, vor allem aber auch bei Patientinnen mit HHT / Morbus Osler und AVM der Lunge oder der Leber, ist vorher oder bei Eintritt einer Schwangerschaft ein genauer Status der Veränderungen zu erheben, insbesondere sind aneurysmatische Erweiterungen der Blutgefäße (Aneurysmen) auszuschließen bzw. zu vermessen. Es kommt hier manchmal zu einer schnellen, erheblichen Erweiterung dieser Aneurysmen, die zu gefährlichen Blutungen führen können.

Einen seltenen Sonderfall bilden auch Patientinnen mit makrozystischen lymphatischen Malformationen der Milz, die sich während der Schwangerschaft vergrößern können und bei subkapsulärer Lage rupturieren und bluten können.

Insgesamt ist jedoch zu sagen, dass das Vorliegen einer Gefäßanomalie keineswegs eine Kontraindikation zu einer Schwangerschaft darstellt. Eine individuelle Beratung bei Eintreten einer Schwangerschaft oder vor einer geplanten Schwangerschaft an einem Fachzentrum für Gefäßanomalien gemeinsam mit Genetikern kann hier helfen, die Situation zu klären, Ängste anzubauen und gegebenenfalls helfen eine notwendige schwangerschaftsbegleitende Therapie einzuleiten oder zu optimieren.