Parkes Weber-Syndrom

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Auch beim Parkes-Weber Syndrom ist meist ein Körperquadrant betroffen, hier der rechte obere Quadrant. Durch die multiplen, feinfistulösen Shunts der arteriovenösen Malformation ist die Extremität überwärmt und eine verstärkte Pulsation ist spürbar. Die Rötung entsteht durch rückgestaute, erweiterte Kapillären der Haut

Überwuchs der rechten unteren Extremität und Vorliegen von multiplen, feinfistulösen Shunts im Sinne einer arteriovenösen Malformation in Kombination mit kapillären Malformationen bei Parkes-Weber Syndrom

Gleiche Patientin mit Parkes-Weber Syndrom. Das gesamte rechte Bein ist von einer arteriovenösen Malformation durchzogen mit multiplen feinsten arteriovenösen Fisteln

Definition: Das Parkes Weber-Syndrom (PWS) ist charakterisiert durch die Kombination von kutanen kapillären Malformationen (KM) und arterio-venösen Malformationen (AVM) bzw. multiplen im Gewebe liegenden, sehr feinen arterio-venösen Fisteln (AVF) mit einem ipsilateralen umschriebenen Überwuchs einer Extremität . Lymphatische Malformationen (LM) können ebenfalls vorliegen.

Genetische Grundlage: Das PWS tritt meist sporadisch (nicht familiär) auf, selten ist ein familiäres Vorkommen (Paradominanz). Ursächlich sind Funktionsverlust-Mutationen im RASA1-Gen, das für das p120-Ras-GTPase aktivierende Protein (p120-RasGAP) kodiert und aktives, an GTP-gebundenes Ras, in die inaktive, GDP-gebundene Form überführt. Eine Gefäßmalformation entsteht vermutlich erst durch den kompletten Funktionsverlust von RASA1 infolge biallelischer Mutationen (LOH = „Verlust der Heterozygotie“). Die segmentalen Veränderungen (lokalisierte vaskuläre Malformationen und Überwuchs) wären durch einen frühembryonalen LOH des RASA1-Gens vor dem Hintergrund einer ererbten konstitutionellen (in allen Zellen vorliegenden) RASA1-Mutation erklärbar und entsprächen einem sog. Typ-2-Mosaik (nach Happle: Syndrom des Typ 2 segmentalen Naevus-Rhodoides). Multiple CM/AVM ohne Überwuchssymptomatik stellen eine oligosymptomatische Variante dar und sind erklärbar durch spätere (nicht-frühembryonale) RASA1-Mutationen.

Klinisches Erscheinungsbild:

Der regionale Überwuchs (Subcutanfettgewebe, Muskulatur und Knochen) betrifft meist eine Extremität oder Teile davon. Die Beine sind häufiger betroffen als die Arme.

Die kapillären Malformationen (KM) und kleine, in der Subcutis gelegene arterio-venöse Kurzschlüsse (Mikro-AVM/-AVF) führen zum typischen Bild der rosa- bis rotfarbenen Naevi des PWS. Die Naevi sind von variabler Größe und Zahl, wobei zumindest immer ein großer Naevus vorhanden ist. Kleinere Naevi sind gehäuft mit einem Halo umgeben. Die betroffene Hautregion ist überwärmt.

Mikrofistulöse-AVM/-AVF sind außer in der Subcutis ausgedehnt auch in der Muskulatur und im Knochen zu finden.

Lymphatische Malformationen können zusätzlich vorkommen und äußern sich als Lymphödem.

Therapie: Langzeitkompressionstherapie der chronisch venösen Insuffizienz . Orthopädische Versorgung (z. B. Epiphyseodese) bei Beinlängendifferenz. Embolisation von arterio-venösen Fisteln (bei Komplikationen oder lokal vor Epiphyseodese). Erste positive Berichte nach Behandlung mit dem mTOR-Inhibitor Sirolimus.

Komplikationen: Komplikationen vor allem durch Blutungen, Ulcerationen, kongestive Herzinsuffizienz und/oder neurologische Folgen. Bei ausgedehnten feinfistulösen AV-Malformationen können ischämieinduzierte Hautulzerationen entstehen. Distale AV-Malformationen der Extremitäten bergen die Gefahr der Ischämie in Fingern/Zehen und möglicher Nekrosen . Bei AV-Malformation im Bereich des Skeletts resultieren Osteolysen mit der Gefahr von Frakturen.