Nagelbettentzündungen

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Bei Patienten mit Ödemen (meist mit lymphatischer oder venöser Malformation) oder einer lokalen Hyperplasie des Weichteilgewebes (z. B. Klippel-Trenaunay Syndrom, Parkes Weber-Syndrom, CLOVES, Proteus Syndrom etc.) mit Vergrößerung der Weichteildeckung an den Zehen kommt es leicht zur Überwachsung der Ränder eines Zehennagels. Das überschüssige Gewebe drückt gegen den seitlichen Nagelrand und führt zu einer lokalen Druckstelle. Dazu kommt der lokal oft erhöhte Gewebeflüssigkeitsdruck durch chronisch venöse Hypertonie oder Lymphödem. Der Nagelrand dann zudem nicht mehr leicht sauber gehalten werden, es bildet sich leichter ein lokaler Infekt.

Wundversorgung
Arteriovenöse Malformation der 2. Zehe mit entsprechender Weichteilgewebshyperplasie . Hier besteht eine besonders hohe Gefahr für eine Nagelbettentzündung am lateralen Rand (rechts Ausschnittsvergrößerung)

Diese chronischen Nagelbettentzündungen sind bei vielen Patienten mit Gefäßanomalien am Bein oder Fuss sehr häufig und besonders hartnäckig, sie beginnen häufig schon im Kleinkindesalter.

Chronische Nagelbettentzündung medial an der Großzehe bei einem Säugling mit CLOVES-Syndrom. In diesem Fall alleine durch den Nageldruck auf das hyperplastische Weichtteilgewebe bedingt

Barfuss gehen sollte in jedem Fall bei akuten, rezidivierenden Nagelbettentzündungen vermieden werden.

Vorbeugung ist zunächst die wichtigste Maßnahme, dies durch Vermeidung und sehr frühe Behandlung von selbst kleinsten Hautverletzungen am Nagelrand. Druckstellen im Bereich der Zehen, z. B. durch nicht gut angepasstes Schuhwerk, sind zu vermeiden. Hier ist eine unbedingte lokale Druckentlastung notwendig, sonst kann die Entzündung nicht abheilen.

Um den begleitenden hohen Gewebedruck zu entlasten sind längere Steh- und Sitzzeiten oder starke körperliche Belastungen zu vermeiden, wenn möglich Fuss bei akuter Entzündung in Ruhe halten und hochlagern.

Chronische Nagelbettentzündung durch Druck am Nagelrand aufgrund einer massiven Weichteilhyperplasie sowie eines erhöhten Gewebedrucks aufgrund einer arteriovenösen Malformation bei einem Säugling

Ballonierte Hyperplasie Fuss mit Großwuchs Zehen 1 - 3 bei einem damals 9-jährigem Jungen mit CLOVES Syndrom. Der Großzehennagel hier noch nicht entzündet

Ballonierte Hyperplasie Fuss mit Großwuchs Zehen 1 - 3 genau 10 Jahre später, der Patient ist jetzt 19 Jahre alt. Durch die immer wiederkehrenden Nagelbettentzündungen und mehrere Teilresektionen jetzt nur noch kleiner Nagelrest an der Großzehe

Unbedingte Reinhaltung dieser empfindlichen Stellen ist notwendig mit sehr sorgfältiger Nagelreinigung. Nagelpflege und Schnitt der Fussnägel können gerade bei starkem Großwuchs sehr schwierig sein, hier ist gegebenenfalls auch professionelle Nagelpflege (Podologie) sinnvoll und notwendig. Dort ist auch das Erlernen von Techniken der Nagelpflege möglich, die man selbst anwenden kann.

Gegebenenfalls sind bei aktuell offenem, entzündeten Nagelrand auch regelmäßige, tägliche lokale desinfizierende Maßnahmen (baden des Fusses in Desinfektionslösung) zur Vermeidung einer Infektion dieser kleinen Wunden notwendig.

Bei tiefer sitzenden, chronischen Infekten kann vor einer endgültigen Sanierung eine lokale oder sogar systemische Antibiotikatherapie oder antimykotische Therapie nach Angaben des Arztes notwendig werden. Hier ist eine knöcherne Beteiligung der Phalangen (v. a. der Endphalanx ) nachzuweisen oder auszuschließen, hier kann ein Röntgenbild notwendig werden.

Grundprinzipien einer adäquaten Wundversorgung siehe dort.

Bei vorhandener aktiver bakterieller Nagelbettentzündung ist ein Abstrich zum mikrobiologischen Keimnachweis und Antibiotika-Resistenzbestimmung notwendig. Danach tägliche Fussbäder mit antiseptischer Lösung. Gegebenenfalls auch täglich antifungaler Fusspuder oder Fusssalbe.

Bei größeren chronischen Nagelbettentzündungen kann zunächst eine operative lokale Exzision der Wunde und des seitlichen Nagels und Nagelbettes mit Weichteilgewebsreduktion erfolgen. Die Langzeitergebnisse, z. B. der Emmet-Plastik, sind allerdings bei Patienten mit Gefäßanomalien und lokalem Großwuchs an den Zehen leider relativ schlecht. Es kommt aufgrund der Pathophysiologie mit lokalem Weichteilgewebeüberschuss mit Druck gegen den harten Nagelrand und dem hohem lokalen Flüssigkeitsgewebedruck (Lymphödem oder venöse Hypertonie / Phlebödem) sehr häufig zu Rezidiven .

Bei chronischer schwererer Nagelbettentzündung ist daher in dieser Konstellation frühzeitig die operative permanente Entfernung des gesamten Zehennagels inklusive des Nagelbettes sinnvoll, um ein Nachwachsen und erneute Entzündungen zu vermeiden.