Konservative Therapien und Bewegungstherapie

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Die allgemein zur Verfügung stehenden konservativen Therapiemaßnahmen bei der Behandlung verschiedener Schmerzzustände sind umfangreich:

  • Physio- und Ergotherapie

    • Kälte-/Wärmebehandlung

    • Lagerung und Kompression

    • Akupunktur

    • Psychologische und psychotherapeutische Verfahren

    • Ernährung

    • Homöopathie

    • u.v.m.

Die genannten Punkte können für jeden Patienten individuell höchst unterschiedlich zu einem positiven Ergebnis und Verlauf beitragen. Für akute Schmerzen sind dabei sicherlich nicht alle Verfahren geeignet, sondern kommen eher bei chronischer Schmerzen zur Anwendung. Der behandelnde Arzt spielt als Vermittler eine wichtige Rolle. Einige Punkte werden nachfolgend angesprochen.

Physiotherapie

Die Krankengymnastik ermöglich dem Patienten, aktiv gegen Schmerzen anzugehen und kann bei nahezu allen Schmerzarten und -formen unterstützend wirken. Ein besonderer Aspekt im Rahmen von Gefäßmalformationen kann ein indirekt betroffenes Gelenk sein, welches übermäßig geschont wird. Eine frühzeitige Einbindung der Physiotherapie ist hier sicherlich sinnvoll, um die Alltagskompetenz des Patienten zur erhalten oder wiederherzustellen. Manche Patienten erreichen aber auch nur mit ausgeprägten Ruhephasen entsprechende Besserungen. Andere Patienten wiederum sind körperlich besonders aktiv.

Kältebehandlung

Durch die Kältebehandlung kann ein umschriebener Wärmeentzug erreicht werden. Dies führt zu einer Engstellung von kleinen Blutgefäßen in der Haut- und der Muskulatur mit einer

  • Verlangsamung der Nervenleitgeschwindigkeit im entsprechenden Gebiet und

  • einer konsekutiv abnehmenden Empfindlichkeit der Nozizeptoren.

Insgesamt werden die Intensität und Frequenz von Schmerzreizen im Idealfall gesenkt.

Auch die Kältetherapie erscheint neben anderen Indikationen für die zusätzliche Behandlung bei periartikulären Schmerzen sinnvoll. Weitere denkbare Indikation sind Kompressionsschmerzen und Engpaßsyndrome im Rahmen von Gefäßmalformationen oder die unterstützende Behandlung im Rahmen postoperativer bzw. postinterventioneller Schmerzen.

Wichtig bei allen Kälteanwendungen ist die Vermeidung direkter und zu starker Kälte. Es empfiehlt sich beispielsweise die Auflage von Stofftüchern zwischen Haut und der Eispackung, da sonst lokale Kälteschäden drohen.

Die Applikation von Kälte oder Wärme bei Schmerzen wird von Patienten mit Gefäßanomalien unterschiedlich angewandt. Im Rahmen einer nicht repräsentativen Umfrage bei 23 Patienten und Angehörigen bewirkt bei ca. 15 % der Patienten Wärme eine Schmerzlinderung. Etwa 70 % der Patienten berichten eher über eine Besserung der Schmerzen durch lokale Applikation von Kälte. Weitere ca. 15 % vermeiden sowohl Wärme als auch Kälte, da dies die Schmerzen insgesamt eher verstärkt.

Kompressionstherapie

Der Kompressionsverband spielt in der Therapie phlebologischer und Lymphologischer Erkrankungen, eine unverzichtbare Rolle. Der ausgeübte Druck führt zu einer Verbesserung des venösen und lymphatischen Abstroms aus dem Gewebe. Dies kann bei verschiedenen Malformationen eine deutliche Verbesserung der Schmerzintensität bewirken.

Lagerung

Neben der Kompression sollte bei venösen Malformationen auch die adäquate Hochlagerung angewendet werden. Die Lagerung bewirkt eine zusätzliche Verbesserung des venösen Abstroms aus der betroffenen Extremität und vermindert damit den lokalen Gewebedruck.

Ablenkung

Ein interessanter Therapieansatz bei eher chronischen Schmerzen ist ein positiver Effekt durch Ablenkung. Dieser Effekt läßt sich durch spezielle Konzentrationsübungen erreichen, aber auch durch gemeinsame Aktivität in der Gruppe. Dies ist ein Aufgabengebiet der Psychotherapie, die bei chronischen Schmerzen eine zentrale Rolle spielt. So kann versucht werden, durch individuelle Lösungsstrategien den Alltag mit chronischen Schmerzen zu erleichtern.

Tatsächlich berichten viele Patienten mit Gefäßanomalien, dass sie trotz manchmal auch längerer Perioden mit Schmerzen möglichst lange eine normale Teilhabe am Alltag durchzuhalten versuchen. Die Verleugnung des Schmerzes sei aus deren Sicht eher das Normalverhalten. Daher wird die Äußerung eines bestehenden Schmerzes an Andere auch eher als negativ empfunden und vermieden, da die Erinnerung an den Schmerz, auch durch Andere, eher die bestehende Verleugnung durchbricht und damit kontraproduktiv ist.