Kompressionstherapie

Autor/en

Das Lymphödem bei lymphatischen Malformationen unterscheidet sich vom Phlebödem bei venösen Malformationen durch die zusätzliche Einlagerung von Proteinen in die oberflächlichen interstitiellen Gewebezwischenräume. Das Lymphödem führt langfristig im späten Stadium unbehandelt durch Fibrosierung und Einlagerung von zusätzlichem Gewebe auch zu einer Vermehrung und Verhärtung des oberflächlichen Gewebes und der Haut.

Das primäre Lymphödem im Sinne einer angeborenen Lymphtransportstörung bei unter 20-jährigen betrifft etwa 1,2 von 100.000 Menschen. Deutlich mehr als 99% aller Lymphödeme weltweit sind jedoch sekundär , z. B. nach Infektionen ( Filariasis ) oder durch Operationen oder Bestrahlung etc.

Intranodale Lymphangiographie
Fortgeschrittenes Lymphödem mit kissenartiger Schwellung auch des Fusses und der Dorsalseite der Zehen sowie Indurationen am Unterschenkel durch fibroadipöse Depositionen

Kombination aus Weichteilgewebshyperplasie und Lymphödem an der rechten unteren Extremität sowie der linken Großzehe. Manchmal sind diese Veränderungen nur durch zusätzliche Bildgebung sicher zu unterscheiden

Die klinische Diagnose eines Ödems (ob lymphatisch oder venös bedingt) gegenüber einer reinen Weichteilgewebsvermehrung bei Patienten mit Gefäßanomalien und vergrößerter Extremität kann manchmal ohne Bildgebung schwierig sein. Dies gerade wenn eine syndromatische Gefäßmalformation mit zusätzlicher Weichteilgewebsvermehrung vorliegt. Grundsätzlich ist dabei in der Anamnese das Ödem und damit die Volumenvermehrung eher fluktuierend, wechselhafter mal stärker, mal weniger stark ausgeprägt. Die reine Weichtteilgewebsvermehrung (vor allem bedingt durch Fettgewebe) ist dagegen eher statischer und verändert sich nur sehr langsam. Sehr hilfreich in der Differentialdiagnose ist hier die zusätzliche Bildgebung, insbesondere die Sonographie (für venöse Pathologie) und vor allem die MRT, die beide Veränderungen ( Weichteilgewebshyperplasie versus Ödem) sicher auseinander halten kann. Auch die Lymphszintigraphie mit Injektion von Tc99-Kolloiden (Albumin oder Schwefel) in die Zehenzwischenräume kann eine pathologische Verlangsamung des Lymphabstroms am Bein sicher nachweisen. Das Kolloid kommt dann erst nach mehr als einer Stunde in den inguinalen Lymphknoten auf der betroffenen Seite an. Die Intranodale Lymphangiographie stellt ein neues, sehr vielversprechendes Diagnostikum bei Veränderungen der zentralen Lymphleiter des Köperstammes dar.

Beide Arten des Ödems (sowohl Lymph- als auch Phlebödem) reagieren jedoch positiv auf Kompressionstherapie. Sehr früh einsetzende, intensive Kompression wirkt auch positiv auf eine Gewebehyperplasie, wenn auch weniger effektiv.

Auch an einer lymphödematösen Extremität kann, wenn keine gesunde Extremität hierzu mehr zur Verfügung steht, sowohl Blutdruck gemessen werden als auch eine venöse Punktion durchgeführt werden, solange dies unter sterilen Bedingungen geschieht und ein Paravasat vermieden wird.