Intranodale Lymphangiographie

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Technik

Die Intranodale Lymphangiographie (INL) dient der direkten Darstellung von abdominellen und thorakalen Lymphgefäßen nach Injektion eines ölhaltigen Röntgenkontrastmittels (Lipiodol) in inguinale Lymphknoten unter Ultraschallsteuerung. Dieses neue Verfahren hat die herkömmliche bipedale Lymphangiographie, bei der nach Injektion eines Farbstoffes ein Lymphgefäß am Fußrücken freipräpariert und injiziert wird, in der Darstellung des Rumpfs praktisch ersetzt.

Die Kontrastierung der Lymphgefäße nach sonographischem Einbringen einer dünnen Nadel in Leistenlymphknoten auf beiden Seiten an der Grenze zwischen Mark und Rinde des Lymphknotens muss sehr langsam, am besten über Injektionspumpen, erfolgen um einen Kontrastmittelaustritt aus den dünnen Lymphgefäßen zu vermeiden. Der Abfluss des Kontrastmittels über die zentralen Lymphleiter des Beckens, des Abdomens und des Thorax bis zur Einmündung in den linken Venenwinkel ist anatomisch variantenreich, jedoch sehr gut unter Durchleuchtung darstellbar.

Gewebekleber
Sonographische Punktion eines Leistenlymphknotens an der Grenze zwischen Mark und Rinde (rote Pfeile). Danach langsame Darstellung der Lymphgefäße unter Durchleuchtung (Weißer Pfeil).

Bedeutung der Lymphangiographie in der Diagnostik von Gefäßanomalien

Indikationen für die INL ergeben sich bei allen Pathologien großer Lymphleiter am Körperstamm, u.a. der Central Conducting Lymphatic Anomaly (CCLA) sowie lymphatischer Malformationen im Abdomen oder Mediastinum . Auch postoperative Lymphleckagen sind sehr gut darstellbar und gegebenenfalls so zu behandeln.


Typische Befunde

  • Central Conducting Lymphatic Anomaly (CCLA): Diese ist durch angeborene Störungen (Stenosierung oder Verschluss) der zentralen Lymphleiter definiert, vor allem der Cisterna chyli und des Ductus thoracicus. Sie kann durch rückstaubedingten Lymphhochdruck mit einem Eiweißverlustsyndrom des Darmes durch Lymphleckagen (protein-loosing enteropathy), mit chylösem Aszites bzw. Pleuraergüssen und auch mit einem ein- oder beidseitigen Lymphödem der Extremitäten , des Genitales oder der Mons pubis einhergehen. Durch den hohen Rückstaudruck der Lymphe kann es auch zu einer persistierenden Lymphorrhoe durch Lymphvesikel an der Haut kommen. Mittels INL kann die Ursache dargestellt werden und ggf. können auch interventionelle Therapiemaßnahmen durchgeführt werden. Durch Darstellung der Lymphleiter mittels Lipiodol selbst kann über einen Entzündungseffekt ein Lymphleck auch spontan verschließen. Hauptsächliche Interventionsmöglichkeiten ergeben sich aber durch die direkte Visualisierung einer Leckagestelle, die dann direkt punktiert und mittels Sklerosierungsmittel verschlossen wird. Alternativ wird das Lymphgefäßsystem nach Visualisierung mittels INL punktiert, ein Mikrokatheter eingeführt und eine Leckagestelle superselektiv z.B. mittels Gewebekleber verschlossen.