Infantiles Hämangiom

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Infantile Hämangiome sind proliferierende, dem Plazentagewebe in ihrer Antigenstruktur ähnliche, vaskuläre Tumoren, für deren Entstehung eine lokale oder regionale Gewebehypoxie als möglicher pathogenetischer Faktor diskutiert wird. Sie müssen einerseits von anderen Gefäßtumoren , z. B. dem kaposiformen Hämangioendotheliom (KHE) oder dem Granuloma pyogenicum, und andererseits von arteriellen, venösen, lymphatischen oder kombinierten Malformationen des Gefäßsystems abgegrenzt werden. Histologisch ist dies unter anderem durch den immunhistochemischen Nachweis von GLUT1 möglich, wobei hier häufig keine histologische Untersuchung notwendig ist da die Diagnose bereits durch das klinische Bild und die radiologischen Befunde gestellt werden kann.

Infantile Hämangiome treten typischerweise in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt neu auf.

Es gibt Vorläuferläsionen wie umschriebene Teleangiektasien , anämische, rötliche oder bläuliche Makulae oder Naevus flammeus-artige Veränderungen. Ein infantiles Hämangiom imponiert bei Geburt jedoch nie bereits als Tumor.


kaposiformen Hämangioendotheliom
Infantiles Hämangiom in der Proliferationsphase eines gut 1 Jahr alten Kindes. Man erkennt in der HE-Färbung (oben links) einen mit kleinen kapillarartigen Gefäßen dicht gepackten Gefäßtumor, der CD34 (rechts oben) exprimiert. Die Gefäßendothelien sind GLUT1 positiv (unten links) was die Diagnose bestätigt. Die Proliferationsrate (unten rechts,Ki67) ist sehr hoch und spiegelt die Proliferationsphase des infantilen Hämangioms gut wieder

Man unterscheidet bei den Infantilen Hämangiomen drei Entwicklungsphasen, die durchlaufen werden:

  • Wachstumsphase: dauert in der Regel 6 - 9 Monate, die Läsion nimmt in dieser Zeit an Größe zu, möglich ist ein exophytisches, über das Hautniveau erhabenes, und ein endophytisches Wachstum unter der Haut als subkutane Raumforderung, häufig in Kombination

  • Stillstandsphase: unterschiedlich lang andauernde Phase (meist Monate), in der die Läsion nicht an Größe zu- oder abnimmt

  • Rückbildungsphase: die Läsion wird immer kleiner (weitere Monate) und kann komplett verschwinden

Das histologische Bild variiert abhängig vom Alter der Läsion, allerdings ist eine klare, abgrenzbare Unterscheidung der unterschiedlichen Phasen histologisch nicht möglich. In der frühen Wachstumsphase dominieren plumpe endotheliale Zellen und Perizyten mit einem hellen Zytoplasma das Bild welche schmale Kapillaren mit kaum erkennbarem Lumina ausbilden. Die Zellularität ist hier sehr hoch, so dass es schwer sein kann, die eigentliche vaskuläre Differenzierung zu erkennen. In diesem Stadium finden sich auch Mitosen .

Im Verlauf ändert sich das Bild, es werden die Lumina weiter und die Endothelzellen flacher. Dieser Prozess beginnt oft am Rand der Läsion und breitet sich dann auch zum Zentrum hin aus.

In der Phase der Involution kommt es zu einer Rückbildung der Blutgefäße mit zunehmender Verfettung der Läsion.