Differentialdiagnose

Autor/en

Varikosis (primäre und sekundäre )

Sichtbare ektatische und blau schimmernde Gefäße, die im Stehen an Größe zunehmen, sind gleichermaßen charakteristisch für eine Varikosis und eine venöse Malformation. Bei beiden Erkrankungen können die betroffenen Körperabschnitte anschwellen und ein Schweregefühl bedingen. Dennoch ermöglichen die Anamnese sowie die körperliche und sonographische Untersuchung zwischen beiden Entitäten zu differenzieren.

Unterscheidungsmerkmale helfen (siehe Tabelle) die richtige Diagnose zu stellen, wobei nicht ein einzelnes Kriterium sondern die Gesamtschau ausschlaggebend ist.

Tabelle: Unterscheidungskriterien Varikosis vs. VM

Merkmal

Varikosis

VM




Häufige Lokalisation

Bein innenseitig und Wade

Bein außenseitig, meistens nur einseitig

Patientenalter

über 18 Jahre

ab Kleinkind

Aussehen der Gefäße

meanderförmig, tubulär , kleinere Kalibersprünge

geflechtartig, irreguläre Formen, große Kaliberunterschiede

Hautverfärbung

über dem Innenknöchel, braun

über der VM bläulich

Tiefenausdehnung

Subkutan

intrakutan , subkutan , subfaszial

Reflux (im Duplex)

Über Gesamtlänge der Varikosis auslösbar

Häufig nur kurzstreckig



Selbstverständlich kann ein 15-jähriges Mädchen eine primäre Magna-Stammvarikosis haben und ein 70-jähriger Mann eine venöse Malformation erstmalig bemerken. Ähnliche Beispiele gelten auch für die übrigen Merkmale. Das ist aber nicht die Regel, so daß außergewöhnliche Befunde in der Gesamtschau kritisch bewertet werden sollen, um falsche Behandlungen zu vermeiden.

Weichtteil- und Gefässtumore

Gemeinsame Merkmale von Weichtteil- und Gefässtumoren sind Größenzunahme, Gefässreichtum, schichtübergreifendes Wachstum und Beschwerdebild. Insbesondere subfaszial gelegene venöse Malformationen können manchmal ohne Bildgebung schwer von gut- und bösartigen Weichteiltumoren unterschieden werden. Selbst die modernen Schnittbildverfahren ermöglichen in speziellen Fällen keine hinreichend sichere Differenzierung zwischen VM und Neoplasie . Da Weichteiltumore in der Regel schneller wachsen kann eine Wiederholung des MRT oder CT nach 3-6 Monaten wegweisend sein. Die Indikation zur Probebiopsie steht, wenn Zweifel an der Dignität des Prozesses bestehen. Verständlicherweise soll auf die Gewinnung eines repräsentativen Gewebestückes unter Berücksichtigung des erhöhten Blutungsrisikos geachtet werden. Wenn weitere typische Merkmale einer angeborenen Gefässfehlbildung wie z.B. frühes Auftreten, langjährige Anamnese , subkutane Lokalisation, Ausdehnung über die gesamte Extremität vorliegen, so ist eine histologische Abklärung meist nicht zwingend notwendig. Solide, gefäßreiche Tumoren sind in der MRT allerdings in den meisten Fällen von einer Venösen Malformation gut unterscheidbar.

Eine Sonderform der Gefässtumore stellen Hämangiome dar. Diese sind bei Geburt (Kongenitale Hämangiome) oder sehr viel häufiger in den ersten Lebenstagen sichtbar, wachsen in der Regel schnell, betreffen häufig das Gesicht und bilden sich im Verlauf der ersten Lebensjahre in aller Regel zurück (Infantile Hämangiome). Somit sind Zeitpunkt des Auftretens und Regression wichtige Unterscheidungsmerkmale von einer VM. Sowohl sonographisch als auch in der MRT unterscheiden sich die hohlen, blutgefüllten Gefäßräume der VM gut von einem soliden, stark perfundierten Infantilen Hämangiom . Ein kongenitales Hämangiom NICH, RICH kann dagegen von anderen soliden Tumoren manchmal schwer bildgebend unterschieden werden.

Erworbene arteriovenöse Fistel

Prominente und im Verlauf der Jahre wachsende Gefäßkonvolute treten bei posttraumatischen AV-Fisteln oder Dialyse- Shunts auf und können als VM fehlgedeutet werden. Sichtbar sind die kaliberstarken meanderförmigen und wandkräftigen Venen, welche Folge der vermehrten Zirkulation („fast-flow Läsionen “) sind.

Im Unterschied zu einer VM liegt ein spontaner kräftiger Blutfluss vor. Dieser wird klinisch als Schwirren und duplexsonographisch als holosystolisches, hochfrequentes Signal wahrgenommen.