Bewegung und Sport

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Angesichts ausgedehnter Beteiligung einer Extremität bei Gefäßmalformationen und entsprechenden Großwuchssyndromen wird den Patienten oft angeraten Sport und Bewegung zu vermeiden. Dies ist falsch.

Volle Teilhabe an Bewegung und Sport ist sogar wünschenswert, wenn dies irgendmöglich ist.

Eine ausreichende, eher sogar etwas gesteigerte Bewegung ist sowohl bei venösen, als auch bei arteriovenösen oder lymphatischen Malformationen der Extremitäten aus pathophysiologischen Gründen wichtig und notwendig.

Die Muskelbewegung, bei gleichzeitigem Tragen einer Kompressionsware, führt über die Muskelpumpe zur Erhöhung des Lymphabflusses nach proximal . Sowohl Phleb- als auch Lymphödeme werden abgebaut, der Lymphdruck fällt.

Erysipel
Im entspannten Zustand der Muskulatur (links) kann das Blut langsam nur nach zentral abfliessen, da die Venenklappen einen Rückfluss verhindern (Pfeile). Durch Anspannen der Muskulatur bei Bewegung (rechts) werden die Venen komprimiert und ausgepresst. Aufgrund der Ventilfunktion der Venenklappen fliest das Blut dadurch aktiv beschleunigt nach zentral

Auch bei erhöhtem Venendruck infolge chronisch venöser Hypertonie oder chronisch venöser Insuffizienz erhöht die Muskelpumpe bei körperlicher Bewegung den Rückstrom des venösen Bluts zum Herzen.

Gleichzeitig werden auch die erweiterten, stagnierenden blutgefüllten Gefäßräume der venösen Malformation „ausgepumpt“ und neu wieder befüllt. Damit wird der Durchfluss durch die Malformation erhöht, dies hilft gegen die Entstehung von Thrombophlebitiden und größeren Gerinnseln innerhalb der Malformation.

Damit ist die Kombination aus Bewegung und Kompressionsware besonders wertvoll, da diese die Muskelpumpe durch zusätzliche Kompression von außen unterstützen kann.

Problematisch in Zusammenhang mit intensiver Bewegung ist hier zunächst nur eine knöcherne Beteiligung durch die Gefäßanomalie mit erhöhter Frakturgefährdung oder eine erhöhte Blutungsgefahr bzw. Hämatombildung , die aber nur bei einzelnen Patienten, v. a. mit Arteriovenösen Malformationen, vorliegt. Kontraindikation zu Sport sind lediglich das Bestehen von offenen oder ischämischen Wunden (z. B. bei Patienten mit AVM) oder eine akute bakterielle Entzündung beziehungsweise ein Erysipel.

Im Prinzip sind auch die Teilhabe am Sportunterricht in der Schule oder auch leistungsintensive Sportarten als Hobby gut möglich und sogar erwünscht. Viele Patienten mit auch ausgedehnten venösen Malformationen betreiben Leistungssport oder Fitnesstraining im Studio.

Wichtiger Aspekt ist das Tragen von geeignetem, anpassungsfähigem Schuhwerk (z.B. leichte Leinensportschuhe) während des Sports, schlecht angepasste orthopädische Schuhe sind hier oft zu hart und führen zu Druckstellen. Auf das Wachstum des Fusses achten bei Kindern, hier wird der Schuh schnell zu klein und drückt.

Potentielle Druckstellen und individuelle Mehrbelastung bei Bein- und Fusslängendifferenzen lassen sich oft schon am gebrauchten Schuhwerk ablesen. Der unterschiedliche Abdruck der Zehen weißt hier auf unterschiedliche Fussgrößen hin

Chronische Beugekontraktur des linken Kniegelenks bei ausgedehnter venöser Malformation am Unterschenkel. Die Kontraktur ist sekundär entstanden nach inadäquater Behandlung und durch langdauernde schmerzbedingte Schonung / Immobilisation. Sie ist hier primär nicht Teil des Krankheitsbildes und potentiell vermeidbar

Praktisch alle Patienten können Schwimmen, auch Leistungsschwimmen, hier ist auf Hauthygiene und Infektionsschutz zu achten gerade an den Füssen.

Auch Mannschaftssportarten, die mit einer gewissen Verletzungsgefahr einhergehen wie Fussball, sind in der Regel nach Rücksprache mit einem entsprechenden Arzt gut möglich.

Zwar möglich, aber meist etwas schmerzhaft (gerade bei Patienten mit venösen Malformationen an den Beinen) sind Sportarten, die häufige schnelle Richtungswechsel und schnelle Sprints mit Stehen kombinieren (z. B. Tennis, Badminton).

Reitsport ist ebenfalls eine sehr gute Möglichkeit der Schulung des ganzen Körpers. Hier sind, ebenfalls wie bei anderen Sportarten, lediglich Patienten auszunehmen, die Hautwunden haben oder eine Frakturgefährdung durch knöcherne Beteiligung der Gefäßanomalie.

Auch Vollkontakt- bzw. Kampfsportarten sind in vielen Fällen, je nach genauer Art, Ausdehnung und Lage des Gefäßfehlers und nach entsprechender ärztlicher Beratung durch einen Spezialisten im Prinzip möglich.

Die übertriebene, oft wohlmeinend vorgeschlagene Schonung der von einem ausgedehnten, sichtbaren Gefäßfehler betroffenen Extremität richtet gerade im Wachstumsalter und bei Jugendlichen wesentlich mehr Schaden an als Nutzen. Diese „Schonung“ oder auch eine überproportional invasive, operative Therapie kann zu sekundären Kontrakturen führen, die gar nicht durch die Erkrankung direkt bedingt sind. Der Grad an individuell eben noch möglicher Belastung ist auch individuell unterschiedlich, gerade in seiner Schmerzintensität. Daher kann man die betroffenen Kindern oder Jugendlichen nur ermutigen Ihre individuellen Grenzen mit selbst zu erarbeiten.