Berufsberatung für Jugendliche

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Abhängig von der Symptomatik und Ausprägung des Gefäßfehlers ist auch bei großen Befunden die Teilhabe am Berufsleben sehr gut möglich, wenn bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden.

Vorweg zu sagen ist hier wiederum, dass Bewegung der betroffenen Extremität , gerade bei venösen und/oder lymphatischen Malformationen beziehungsweise bei Klippel-Trenaunay Syndrom gut ist, da in Kombination mit einer Kompressionsware dadurch die Muskelpumpe aktiviert wird und der Gewebedruck in der Extremität erheblich verringert werden kann.

Insgesamt ist zu sagen, dass nur relativ wenige Beschränkungen bei der Berufswahl in Zusammenhang mit peripheren Gefäßanomalien bestehen. Dem Autor sind eigene Patienten bekannt die Kampfsporttrainer sind, bei der Armee und Polizei arbeiten, als IT-Spezialisten, sowie als Ärzte und als Künstlerin.

Je nach Berufspraxis können verschiedene Problemfelder auftreten, die im Folgenden beleuchtet werden. Eine solche wichtige Entscheidung kann und sollte mit einem entsprechenden Fachspezialisten besprochen werden.

Problembereich: Bewegungsloses Sitzen oder Stehen sowie starke kontinuierliche körperliche Belastung

Bewegung
Chronisch erhöhter Gewebedruck durch venöse Hypertonie bei kapillär -venöser Malformation. Beachte die Besenreiser und dilatierten Venen am Fuss durch den hohen Venendruck

Chronische , nicht abheilende Wunde an der Außenseite des 4. Fingerendgliedes durch eine arteriovenöse Malformation. Bereits bei leichter Berührung kann es hier zu deutlichen Blutungen kommen

Milchig weiße Lymphvesikel an der Haut bei lymphatischer Malformation, aus denen bereits bei leichter mechanischer Belastung chylöse Lymphe austreten kann

Ultraschallbilder (links B-Bild, rechts Kontrastmittelperfusion) einer Patientin mit chronischem Schmerzsyndrom bei FAVA ín der Wadenmuskulatur. Typisches, echoreiches ”Salz-und-Pfeffer“-Muster der FAVA mit erhöhter Perfusion nach Kontrastmittelgabe

Stark von der Norm abweichende Körperformen, hier mit massiver Hyperplasie des rechten Beins und beidseitiger kapillärer Malformation bei CLOVES Syndrom, stellen auch im Bereich der psychischen Verarbeitung der ästhetischen Beeinträchtigung oft eine erheblich Herausforderung dar

Säugling mit kapillärer Malformation der rechten Körperhälfte, auch betreffend die Stirn und das Auge sowie die rechte Wange. Hier ist eine Untersuchung auf das Vorliegen eines Sturge-Weber Syndroms notwendig

Die größte langfristige Einschränkung bei der Berufswahl besteht bei den Patienten mit ausgedehnten venösen und / oder lymphatischen Malformationen der unteren Extremität mit hohem Lymphdruck oder Venendruck.

Hierbei wird langes bewegungsloses Sitzen oder Stehen sowie starke kontinuierliche körperliche Belastung im Stehen deutlich erschwert, da hierbei der Gewebedruck in der Extremität zu hoch wird.
Typische Berufe, die dies notwendig machen, sind Serviceberufe in der Gastronomie, Arbeiten im Sicherheitsdienst oder Verkaufsberufe im Einzelhandel.

Hilfreich dagegen sind regelmäßige Bewegung, das Tragen passender Kompressionsware, intermittierendes Hochlagern (und ggf. kühlen) der Extremität . Eine sitzende Bürotätigkeit mit der Möglichkeit zu regelmäßigen Bewegungspausen ist auch bei wirklich ausgeprägten Befunden fast immer möglich.

Problembereich: Blutungen

Auch wenn bei großen, sichtbaren Gefäßfehlern häufig Blutungen befürchtet werden sind diese in der Praxis wirklich selten. Einzige Ausnahme mit einem erhöhten Blutungsrisiko sind chronische , nicht heilende Wunden bei arteriovenösen Malformationen, die nicht abheilen und ohne Behandlung permanent bei leichter mechanischer Belastung bluten können. Die Angst vor einer Blutung sollte also in der Berufswahl ansonsten keine echte Rolle spielen.

Problembereich: Infektion, Superinfektion, Wunden, Lymphorrhoe

Bei Bestehen von offenen Wunden, gerade auch im Zusammenhang mit Ulcera bei venösen oder lymphatischen Malformationen der unteren Extremität , ist die Gefahr einer bakteriellen Infektion bzw. Superinfektion zu beachten. Gerade Patienten mit Lymphorrhoe , bei denen die Barrierefunktion der Haut für Infekte über den Lymphabfluss ausgeschaltet ist oder Lymphvesikel der Haut vorliegen und regelmäßige Erysipele auftreten, ist eine strenge Hauthygiene auch im Berufsleben notwendig.

Aufgrund des spezifischen, problematischen Keimspektrums ist hier eine Berufstätigkeit in der Fleischverarbeitung, im zoologischen Handel sowie teilweise auch in der Landwirtschaft problematisch.

Problembereich: Chronisches Schmerzsyndrom

Die Kombination aus chronischer, schwerer Erkrankung, frustranen Therapieerfahrungen mit zeitweiser Verschlechterung der Symptomatik und das Fehlen von qualifizierten Ansprechpartnern führen nicht selten zu schweren, chronischen Schmerzsyndromen. Neben der seelischen Belastung führt chronischer Schmerz auch zu Konzentrationsstörungen, Depression und Antriebsarmut. All dies hat Auswirkungen auf die Berufswahl und auch kontinuierliche Ausübung eines Berufs.

An der ersten Stelle steht hier eine qualifizierte, interdisziplinäre Behandlung der Grunderkrankung an einem Zentrum, Teil des Teams ist hier auch eine fachanästhesiologische Schmerztherapie und das Erlernen in individuellen Schmerzbewältigungsstrategien durch geschulte Anästhesisten. Die Beratung hinsichtlich eines chronischen Substanzgebrauchs kann hier ebenfalls in einem ersten Schritt erfolgen. Die Vermittlung in eine stationäre Schmerztherapie, die oft lange Wartezeiten bis zur Aufnahme benötigt, kann Teil des Therapiekonzepts sein.

Die Fibro-Adipose Vascular Anomaly (FAVA) als Sonoderform der venösen Malformation ist hier ein besonderes Problem, da sie wahrscheinlich durch Beteiligung von peripheren Schmerznerven zu einem schwer behandelbaren Schmerzsyndrom führen kann. Spezifische Behandlung erfordert hier auch deutlich invasive Maßnahmen bis zur Totalresektion des betroffenen Bereichs.

Problembereich: Ästhetische Beeinträchtigung

Gerade kombinierte Gefäßmalformations- und Großwuchssyndrome sind oft bereits leicht von außen sichtbar und stark von der ästhetischen gesellschaftlichen Norm abweichend. Dies betrifft insbesondere auch den Bereich des Gesichts und der Extremitäten mit hier ausgedehnten kapillären Malformationen.

In beruflicher Hinsicht stellt dies eine individuelle Herausforderung dar für den Patienten selbst, in Maßen auch zumindest anfangs auch für Andere, die mit einer neuen Situation konfrontiert sind. Ansonsten stellen auch deutlich sichtbare Gefäßfehler keine berufliche Einschränkung dar. Dem Autor sind Patienten mit ausgedehnten sichtbaren Gefäßfehlern bekannt, die im Eventmanagement oder in der Unterhaltungsindustrie mit viel Publikumsverkehr arbeiten.

Problembereich: Anfallsleiden

Anfallsleiden sind bis auf die Ausnahme des Sturge-Weber Syndroms und sehr selten des CLOVES Syndroms bei Patienten mit peripheren Gefäßanomalien ausgesprochen selten und nicht Teil des Krankheitsspektrums. Die dabei an sich mögliche Selbst- und Fremdgefährdung, vor allem bei Führung von Maschinen oder Kraftfahrzeugen, muss fachneurologisch beurteilt und behandelt werden.